Karpfenanglerin on Tour

Nach einigen Wochen des Nicht-Fischens wollte ich unbedingt
mal wieder für 2 Nächte ans Wasser. Es kribbelte mir in den Fingern, das kennen
wir Angler ja nur zu gut.
Ich war völlig aufgeregt… Endlich wieder mal ein paar Stunden am See!
Ein guter Freund Tobias Petri wollte an diesem Wochenende auch ans
Wasser, so entschieden wir gemeinsam raus zu gehen. Der Clou bei diesem
gemeinsamen Fischen war viel mehr die Tatsache, dass wir jeder einen anderen
See befischten. Nur ein ca 5 Meter breiter Weg trennt die beiden Seen
voneinander. So konnten wir unmittelbar nebeneinander unsere Zelte aufbauen.
Ich schätze der See beträgt ca 3 Hektar und ist total verkrautet. Nach de
Krautzone im Uferbereich läuft er wie eine Badewanne in der Mitte zu. Die
tiefste Stelle beträgt gut 12 Meter. Da ist es logisch das ich meine 2 Spots
direkt hinter der Krautkante festlegte. Die eine Rute fast vor den Füßen und
die andere quer ans rechte Ufer in Richtung eines toten Baumes der
dort ins Wasser ragt

Die Plätze waren nicht angefüttert. Am späten
Nachmittag nachdem alles an seinem Platz war, kam ich endlich zur Ruhe.
Ich bestückte meine Ruten mit einem Pineapple Boilie von Gulp! und warf eine
Hand voll Boilies um meine Hakenmontage. Es wurde dunkel  und ich scherzte
ein wenig mit Tobi, das es an der Zeit sei mal wieder eine Brasse zu fangen.
Schier in diesem Moment ca 22:00 Uhr stieß mein Bissanzeiger einen
einzelnen Piep aus und ging in einen Dauerton über. Fullrun!!! Voll mit
Adrenalin rannte ich den kleinen Hang zu meinem Rod Pod hinunter und nahm die
Rute auf. Es war der Hot Spot am toten Baum. Mir war klar, dass ich schnell
agieren musste um den Fisch von diesem Unterwasserhinderniss fernzuhalten. Das
gelang mir glücklicherweise auch, doch die verkrautete Uferzone ohne, ich
betone OHNE jegliche Schneise, machten den Drill nicht einfacher. Tobi hatte
den Weg zu mir ans Ufer gefunden. Das Zucken in der Rutenspitze und die Schnur
die durch das Krautfeld streifte, ließ es schwer ausmachen, ob der Fisch nicht
längst ausgeschlitzt war. Mit ständigem Druck und voller Aktion in der Rute
pumpte ich weiter. Eindeutig, der Fisch saß im Krautfeld fest. Plötzlich ließ
der Druck etwas nach. Luftblasen stiegen in mitten des Krautfeldes schräg neben
uns auf. Der Fisch kam hoch, wir sahen die Rückenflosse und kurz darauf
versuchte er erneut in die tiefen des Krautes zu tauchen. Ich nutze meine
Chance. Ich baute den Druck noch etwas auf, betete innerlich, dass er mir so
kurz vorm Ziel nicht flöten ging. Denn jeder der in verkrauteten Gewässern
fischt weiß wie schnell das gehen kann. Und ich konnte es kaum glauben, ich
merkte wie der Fisch aufgab. Beim Ausgang des Krautfeldes legte sich ein
schöner 16 Pfund Schuppi auf die Seite und ließ sich ruhig von Tobi
Keschern.

 

 

 

Ein schöner Drill mit einem guten Ende! Der Fisch
durfte gleich nach ein paar Fotos und dem Wiegen wieder schwimmen. Meine
Montage lag keine zwei Stunden wieder an Ihrem Platz und ich hatte es mir grad
gemütlich in meinem Schlafsack gemacht, da schreckte ich erneut hoch. Es war
24:00 Uhr. Diesmal piepte es 2-mal hintereinander und noch ein drittes
Mal, dann der Dauerton. Halb den Schlafsack mit nach draußen nehmend, lief ich
los. Ich merkte das Tobi meine Funkbox auch signalisiert hatte und so rannten
wir beide die paar Meter zum Ziel. Die Rute hoch und der Drill konnte beginnen.
Der Kampf mit dem Kraut begann von vorne. Diesmal konnte ich den Fisch
schneller durch die Krautmassen bewegen. Über dem Blei hingen noch diverse
Krautpflanzen als mir der zweite Fisch des Abends, der dem Pineapple Boilie
nicht widerstehen konnte. Ich war total happy, 21 Pfund.

 

 

 

Tobi und ich waren völlig durch den Wind, mit solch einem
guten Start direkt am Anfang der Session hatte wohl keiner gerechnet.
Zwischenzeitlich verlor Tobi im Nachbarsee 2 Fische. Das Kraut war dort genauso
schlimm vertreten und zusätzlich lagen unter Wasser Bäume. Es war ärgerlich.
Ich glaube es war ca. 4:00 Uhr bis ich die Augen zumachen konnte und endlich
einschlief. Den Rest der Nacht war es ruhig. Auch in den Morgenstunden kein
einziger Biss.. Der Tag brach also gemächlich an. Tobias bat mich mit
ihm zu „moven“ damit er schneller an seinen Ruten war, wegen der im
Wasser liegenden Bäume, den einen Spot am Baum konnte ich auch von unserem
neuen Platz befischen. Tatsache war es ja, dass ich die letzte Nacht
an dem toten Baum zwei Fische landen konnte und dass der andere Spot, vor
meinen Füßen, nicht einen Biss auslöste oder jegliche Fischaktivitäten
zeigte. So ging ich seiner Bitte nach und wir zogen ca. 30 Meter weiter hoch.
Ich entschied mich auch von diesem Platz den toten Baum erneut zu befischen und
legte die andere Rute hinter dem Krautfeld links von mir ab direkt wieder an
der Kante. So vergingen die nächsten 4 Stunden. Beide Ruten erneut auf Pineapple
Boilies beködert wie die Nacht zuvor und gerade mit 10 Boilies pro
Spot angefüttert. Die nahe Rute noch zusätzlich mit etwas Mais,
Tigernüssen und Hanf. An diesem Mittag verlor ich an dem neuen
Spot vor meinen Füßen hinter der Krautkante 3 Fische in den Krautfeldern,
anscheinend war der Drillwinkel anders von diesem neuen Platz aus, das viel mir
aber erst später ein. Am Baum-Spot keine Aktion. 2 der Fische
stiegen kurz nach dem Aufnehmen der Rute wieder aus , der 3.
ließ sich etwas mehr Zeit um im Kraut auszuschlitzen, es Riss mir
das monofile Vorfach direkt am Knoten. Ich konnte es nicht fassen und das
schlechte Gewissen erst. Ich hatte nicht gewollt, dass ein Fisch mit meinem
Vorfach durch die Gegend schwimmen musste. Meine Laune war am Tiefpunkt,
ich konnte nicht verstehen, wie ich es geschafft hatte in der letzten
Nacht die Fische zu landen und jetzt im hellen, wo ich viel mehr sehen
konnte, verlor ich die Fische in den Krautfeldern. Deprimiert und
zornig auf mich selbst vergingen die nächsten Stunden. Es wurde dunkel. Nach
den 3 verlorenen Fischen war es ruhig im Wasser, man sah auch keine
Kleinfischaktivitäten an diversen Plätzen. Ich glaubte nicht mehr an einen
Biss, so wollte ich mich relativ früh schlafen legen. Wir
diskutierten immer noch von Zelt zu Zelt und meine Laune wurde einfach nicht
besser. Dann der erhoffte neue Biss an meinen Piepsern. Diesmal ohne
Vorankündigung mit einem direkten Dauerton. Ohne Schuhe und ohne Rücksicht auf
Verluste rannte ich los. So schnell war ich die letzten Male nicht gewesen.
Während ich den Hang runterrutschte schrie ich nach Tobi, er sollte mich mental
unterstützen. Es war 22:45 Uhr. Die Rute aufgenommen der Drill ging los. Ich
merkte direkt einen enormen Widerstand. Den Druck haltend, doch plötzlich keine
Reakation mehr. Verdammt, ich hatte vergessen, dass es die Rute am toten Baum
war. Der Fisch saß eindeutig im Unterholz. Ich glaubte es nicht. Ich hielt
dem Druck stand. Es ging nichts mehr. Ich wusste jetzt oder nie! Meine Arme
fingen an zu zittern, ich hatte keine Kraft mehr. Die so kurze Nacht davor hing
mir noch in den Knochen und den stetigen Druck auf die Rute war ich so noch
nicht gewohnt. Ich ließ nicht locker. Dieses Spektakel am Ufer hatte ich so
noch nicht erlebt. Ich bat Tobi meine Rute kurz zu übernehmen. Ich schüttelte
meine Arme, bewegte die Hände. Ich sah auch ihm an, dass es unheimlich
anstrengend war! Wieder vergingen 5 Minuten. Dann tauschten wir wieder die
Position. Tobi gab mir die Rute zurück und konnte es selbst nicht fassen,
welche Kraft das kostete. Und er angelt seit ein paar Jahren auf Karpfen!

Wir waren uns nicht sicher ob wir vielleicht mit der Montage in einem
Baum hingen, oder ob der Fisch in den Ästen saß. Dann spürte ich wie sich etwas
löste. Ich konnte es nicht glauben, ich merkte wie der Fisch mit dem Kopf zur
Seite schlug und uns ein Stück entgegen schwamm. Ohje, dann das große
Krautfeld. Irgendwie musste ich es schaffen den Fisch dort nicht erneut, wie
Mittags die 3 anderen, zu verlieren. Es gelang mir den Fisch durch das Kraut zu
drillen! Ich spürte wie das Gewicht an der Rute immer schwerer wurde. Dann
machte ich einen fatalen Fehler. Ich ließ zu, dass der Fisch in ein anderes
Krautfeld schwimmen konnte. Katastrophe. Ich flehte den Fisch an am Haken zu
bleiben und stieß kräfteringend Tobi mit folgenden Worten an: „Wenn dieser
Fisch jetzt auch wieder ausschlitzt, dann pack ich die Rute ein und fahr nach
Hause! Mittlerweile hatte ich kaum noch Kraft, ich musste behutsam sein, der
Fisch in Mitten des zweiten Krautfeldes ließ sich nicht einfach beikurbeln. Es
kam auch keine Reaktion mehr vom Fisch, kein schlagen mit dem Kopf oder
jegliche versuche die ich in meiner Rutenspitze hätte spüren können.
Ich wollte einfach nur noch das es aufhört! Mittlerweile fingen sogar die Knie
an zu zittern und die Arme ja sowieso:-) Wie ich es letztendlich schaffte die
Schnur aus dem Kraut zu ziehen, weiß ich bis heute nicht. Als wir endlich
erkennen konnten was ich da bei drillte , sackte mir das Herz in die Hose. Ein
riesiger Krauthaufen steuerte auf uns zu. Ich glaubte den Fisch erneut verloren
zu haben. Tobi stöhnte kurz auf und schlug die Hände auf dem Kopf zusammen,
dass mir in diesem Moment nicht die Tränen gekommen sind, war wirkliche
Körperbeherrschung*grins*. Dann die große Überraschung. Der Fisch der sich
scheinbar unter dem Krauthaufen, der auf uns zu kam, befand schlug mit der
Schwanzflosse. Es machte einen riesigen Ruck in der Rute und diverse
Krautpflanzen flogen uns um die Ohren. Jetzt die Ruhe bewahren dachte ich mir.
Tobi hielt vorsichtig den Kescher ins Wasser. Ich zog den
„Krauthaufen“-Fisch vorsichtig ins Netz. Erneut schlug er mit der
Schwanzspitze. Wieder ein lautes Platschen! Die Angst stieg in mir hoch, es
hatte sich so angehört als sei der Fisch kurz vorm Kescher ausgeschlitzt. Tobi
und ich sahen uns erschrocken an. Da bemerkte er das Blut auf meinem
Nasenrücken. Erschrocken viel es mir dann auch auf … doch das war
nebensächlich… jetzt traute er sich endlich in den Kescher zu schauen… er
schob die ca. 15 kg Kraut zur Seite und ich stieß einen Freudenschrei aus, der
Fisch lag im Kescher + den 15 kg Kraut! Es war unglaublich. Ich sackte zu
Boden. Konnte mein Glück kaum fassen, hüpfte am Ufer auf und ab, wusste nicht
wohin mit meinen Emotionen. Tobi trug mir den Fisch auf die Abhakmatte. Ich
flitzte hinterher. Er sah mich an und meinte nur: “ Herzlichen
Glückwunsch Vio, ich bin sicher das ist dein neuer Personal Best“.

 

 

 

Als ich dem Schuppi den Haken aus dem Maul lösen
wollte, rief ich Tobi zu mir. Ich sah in das Maul und konnte kein Vorfach
finden. Ich suchte im Kescher nach meiner Montage. Da war das Blei, da war der
Wirbel und ja, jetzt fand ich mein komplettes Vorfach unter dem Fisch im Kraut
. Ich holte es raus und dachte ich träume , da hing doch tatsächlich in meinem
neuen Vorfach eingedreht das alte monofile vom Mittag. Es war wirklich
UNFASSBAR! Auch Tobi konnte es kaum fassen. Der Haken hatte sich anscheinend im
Kescher, wenn nicht sogar kurz vorm Kescher schon aus dem Fischmaul gelöst. Es
war solch ein verdammtes Glück das ich diesen wunderschönen 30 Pfund Schuppi
nun meinen neuen PB nennen darf! Der Drill hatte ca 45 Minuten gedauert. Ich
hatte keine Kraft mehr, aber es hatte sich wirklich gelohnt. Da hatte ich den
großen Schuppi mittags auf meinem einem Spot verloren und auf dem anderen Spot
am toten Baum mit dem abgerissenen Vorfach landen können. Das nenne ich mal
Glück im Unglück :-)! Ach bevor ich es vergesse: Der blutige Nasenrücken! Ja
während des Drills ist mir meine Kopflampe hinutergerutscht und auf den Knochen
geknallt. Da gibt es kein Fettgewebe. Also zog ich mir so fast unbemerkt eine
Platzwunde zu. Vor lauter Fisch-Geilheit *frech grins* hatte ich das
nicht wirklich realisiert. Das Wochenende war ein voller Erfolg für mich! So
habe ich mit den Pineapple Boilies von Gulp!, 3 wunderschöne Karpfen
gefangen.

 

 

 

Ich konnte an Erfahrung und Disziplin dazulernen.
Eine tolle Session für mich als Anglerin, die erst im März dieses Jahres
angefangen hat auf unsere lieben “ Wasser-Schweinchen“ zu fischen.
Wenn man solch einen Drill erlebt und am Ende das Glück hat den Fisch in den
Händen zu halten, weiß man was man dafür getan hat und warum wir alle dieses
wundervolle Hobby bestreiten. Dann schäumen die
Emotionen hoch bis ans unermessliche. Ich wollte euch dieses Erlebnis
nicht vorenthalten und danke mit diesem Bericht auch meinem Angelkollegen
Tobias Petri der mich so wundervoll unterstützt hat. Bis dahin weiterhin alles
gute für euch und Petri-Heil :-)

 

Liebe Grüße, Eure Vio

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Kategorien : Praxis-Erfahrungen