Ich habe hier schon einen Bericht über die Abu Revo MGX online gestellt, in dem ich die Rolle als „absolut finessetauglich“ eingestuft habe, weil man mit ihr 5 Gramm schwere Köder und Montagen schon recht weit werfen kann und weil es dank des IVCB-Bremssystems auch bei leichten Gewichten kaum mehr zu Perücken kommt. Die Wurfperformance lässt sich aber steigern.
Wer das Maximale an Wurfweite aus seiner Baitcaster herauskitzeln will, wird früher oder später über den Kugellager-Austausch nachdenken. Neben dem Umstieg auf eine leichtere (aber leider auch recht teure) Finesse-Spule stellt der Wechsel von Stahl- auf Keramikkugellager nämlich die effektivste und einfachste Methode dar, leichte Köder weiter fliegen zu lassen. Im Vergleich zu den in den meisten BCs verbauten Stahlkugellagern lassen Keramikkugellager die Spule noch leichter anspringen und länger rotieren.
Eigentlich geht der Einbau ganz einfach. Wer das zum ersten Mal macht, muss allerdings aufpassen, dass die Rolle den OP-Tisch nicht lädiert verlässt. Auch meine ersten Tuning-Versuche haben mich nicht nur richtig Nerven gekostet, sondern auch Spuren auf der Rollenachse hinterlassen.
Am Anfang steht die Auswahl des korrekten Kugellagers. Gute Keramiklager kommen z.B. von der Boca Bearing Company. Natürlich muss man die zur MGX passenden Lager auswählen. (Dazu nutzt man entweder Suchmasken oder die Auflistungen der zu den Lagern passenden Rollenmodelle auf den Webseiten der Anbieter.) Egal wo ihr sie bestellt – irgendwann trudeln zwei unterschiedlich großer Kugellager ein, von denen eines in die Rolle eingesetzt werden muss und eines auf in den abnehmbaren Spulendeckel kommt.
Für die OP brauchen wir:
• Eine Zange zum Entfernen des Pins auf der Spulenachse – idealerweise eine mit Loch, durch das man den Pin drücken kann. (Weil ich mit Sicherheit noch öfters mal einen Lagerwechsel vornehmen werde, habe ich mir deshalb eine Spezialzange, die ihr unter der Bezeichnung Spool Pin Pliers im Internet bzw. auf bocabearings.com findet, aus den USA kommen lassen.)
• Eine Pinzette zum Lösen der Feder, die das andere Kugellager am Platz hält.
• Eine kleine Zange zum endgültigen Herausziehen des Pins.
• Einen Haken, mit dem man die orangen Gummis von den Lagern abzieht. (Diese sollen die Lager vorm Verschmutzen schützen, bremsen den Lauf der Spule aber auch ab.)
• Die Kugellager.
• Ein bisschen Stoff zum Achsenschutz.
Und jetzt kann‘s losgehen:
Kugellager I
Das erste Kugellager befindet sich in der Abdeckung (unter der Magnet- oder Fliehkraftbremse) und wird herausgenommen, indem man die Feder mit dem Haken anlupft…
…und mit einer Pinzette herausfummelt. Dabei sollte man aufpassen, dass das Ding nicht wegspringt.
Dann kann man das Kugellager leicht entfernen. Einfach die Abdeckung umdrehen. Dann ein bisschen schütteln, bis das Originallager rausfällt.
Bevor man das neue Kugellager einsetzt, entfernt man noch das Schutzgummi. Das geht ganz einfach mit einem einigermaßen großen Haken, den man zart ins Gummi einsticht, um dieses dann abzuziehen.
Jetzt einsetzen…
…und dann wieder mit der Feder fixieren.
Bingo. Kugellager I ist ausgetauscht.
Kugellager II
Das auf der Spulenachse sitzende Lager ist etwas kniffliger. Es wird mit einem Pin auf der Achse gehalten.
Diesen Pin herauszudrücken, erfordert mehr Druck als einem lieb ist. Wenn man das mit einer normalen Zange macht, besteht die Gefahr, dass man abrutscht und dabei die Achse demoliert oder den Pin verbiegt. Ich habe mir sagen lassen, dass der Kugellagerwechsel nichts bringt, wenn die Achse beschädigt ist – wobei ich sagen muss, dass meine durchs Tuning leicht angekratzten Revo’s schon weiter schmeißen als die ungetunten. Dennoch: Man will die Rolle ja nicht beschädigen. Deswegen die Zange mit dem Bolzen und dem Loch, durch das man den Pin dann durchschiebt.
Zur Sicherheit kann man ein Stück Stoff nehmen und ein Loch durchstechen aus dem der Pin herausschaut.
Dann wird kräftig gedrückt, bis der Pin hörbar „ausrastet“.
Jetzt kann man ihn mit einer Zange abziehen. Um den Pin nicht zu verkratzen, habe ich auch bei diesem Schritt ein bisschen Stoff eingesetzt.
Geschafft.
Jetzt das neue Lager (Gummis abziehen) auf die Achse schieben.
Zum Reindrücken des Pins sind die zwei kleine Aussparungen an der Seite der Zange. Das dicke Ende des Pins kommt natürlich in die Aussparung, mit der man Druck ausüben kann, so dass man das dünne Ende durch die offene Kerbe drücken kann.
Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, habe ich die Zange vor diesem Schritt noch ein wenig getunt und oben und unten einen Stoffpuffer mit Tesafilm fixiert. Nicht dass die Achse trotz Spezialwerkzeug Schaden nimmt.
Und jetzt: Pin ansetzen und reindrücken.
Fertig!!!
Für die Keramikkugellager gibt’s spezielles Gleitmittel, das für die extrem glatte Oberfläche gemacht wurde. Das lässt die Lager schneller drehen als herkömmliches Öl, das ja eigentlich dazu da ist, sich in die kleinen Rillen zu setzen, die man auf der Oberfläche eines Stahllagers sieht, wenn man sich das mit dem Mikroskop anschaut. Allerdings muss man häufiger „Nachschmieren“, wenn man auf solche High Speed Öle setzt. Generell macht Öl die Rolle gutmütiger – schon ein Tropfen sorgt dafür, dass alles geschmeidiger läuft. Konkret: Geölte Rollen neigen nicht so sehr dazu, Backlashes (Perücken) zu werfen.
Am Wasser wollen die Rollen mit den neuen Lagern dann trotzdem erst einmal beherrscht werden. Als ich damals meine Premier I zum ersten Mal getestet habe, war ich jedenfalls ganz schön überrascht, von der Leichtläufigkeit und ehrlich gesagt auch ein bisschen überfordert. Mit der MGX wird das sicher anders. Die hat ja das IVCB-System. Ich rate trotzdem jedem, der den Lagerwechsel vorgenommen hat, erst einmal vorsichtig zu beginnen und eine etwas defensivere Bremseinstellung zu wählen.
Ich wünsche viel Spaß mit dem neuen Rennschlitten in eurem Baitcaster-Stall!
Johannes
PS: Eine noch ausführlichere Version findet ihr auf www.barsch-alarm.de.



























