Finesse statt Bigbait-Back to the roots in Schweden

Bigbaits schleudern war ja eigentlich nie meins. Schwere Ruten, fette Rollen, dicke Schnüre, all das gehörte für mich lange Zeit nicht zum Angeln dazu. Buddy Eric kam vor einem Jahr im Frühjahr auf mich zu und meinte: „Genug gezuppelt, Marc. Wir schmeißen jetzt richtig fette Baits und ziehen Muttis.“  Jo, klingt nach einem Plan. Das war mein erster Gedanke, nachdem Eric unsere gesamten Philosophien einfach weggeballert hat und ein neues Kapitel starten wollte.

Auf diesen Entschluss hin fischten Eric und ich zwei geile Hechtfrühjahrssaisons und ich nahm im letzten Jahr natürlich auch die Bigbaitschleuder mit nach Schweden. Auch dort stelle sich schnell der Erfolg auf große Köder ein und für mich hatte sich ein geniales Angelfeld erschlossen, welches eine gute Balance zum Finessegedödel brachte. Mit der Absicht, mehrfach zu metern, fuhr ich schließlich vor 5 Wochen nach Schweden.

Wenn man einen See besucht und eine Woche dort verbringt, wo man schon einmal war, dann fährt man mit einem Gefühl der perfekten Vorbereitung in den Angelurlaub. Schon im Vorjahr hatte ich Tiefenkarten (erneut) studiert, Spots markiert und sogar totes Kraut und Kanten über Google-Maps gespottet. Mir und meinem Vater juckten die Pfoten. Wir wollten, wie schon erwähnt, in dieser Woche mindestens 5 mal metern, das war der Plan. Um möglichst viel vom Urlaub mitzunehmen, entschlossen wir uns, schon um 4 Uhr in Hamburg loszufahren. Das Navi zeigte eine Ankunftszeit von 13:30 Uhr an. GEIL! Wenn wir das schaffen sollten, dann würde zumindest noch ein halber Angeltag anstehen. Die letzten Stunden juckende Finger im Auto haben wir durch mehrmaliges Wechseln des Fahrers und durch einige Kannen Kaffee kompensiert.

Zielankunft, 13:30 Uhr.

Den Zeitplan einhaltend, bezogen wir unser kleines Ferienhaus direkt am See. Nachdem wir, innerhalb von Sekunden, bei einem Urlaubsstartbierchen das Auto ausgeräumt haben, ging es sofort zum Steg, wo unsere Vermieterin auch schon das Boot bereitgestellt hatte. Wir besuchten Marianne nun im zweiten Jahr und ein verschmitztes Lächeln in Zusammenhang mit 2-3 gemurmelten, schwedischen Worten, begrüßte uns. Das muss soviel geheißen haben, wie „ihr seid doch verrückt“. Und das waren wir auch, verrückt nach dem Pikemamas im Teich. Die erste Fahrt auf dem See steuerte direkt in Richtung einer Krautkante, an der wir im letzten Jahr schon einige größere Fische verhaften konnten. Entgegen unserer Erwartungen, konnten wir leider am Spot keine Fische abgreifen. Nach guten zwei fischlosen Stunden entschieden wir uns dann in der Dämmerung vor den Krautkanten in unserer Heimatbucht mit ein paar Barschen zu entschneidern.

 BarschmitKöder 

Den ersten Tag beendeten wir dann mit folgendem Sonnenuntergang.

  start

Am zweiten Tag entschieden wir uns, besonders früh zu starten. Wir machten uns auf den Weg in den südlichen Teil des Sees und erhofften uns dort, in einer Bucht, die von 3m auf 10 m abfällt, einige dicke Muttis. Am Spot angekommen schickte uns das Echo auch dicke Baitfishtrupps entgegen, die wir in Tiefen von 4-6m auf der Kante ausmachten. An dieser Stelle passte gefühlt einfach alles. Nach nur drei Würfen konnte ich einen Durchschnittshecht landen, der sich den McPike, ziemlich weit reinballerte.

pike

Komischerweise war an dieser Stelle dann totaler Totentanz. Wir fischten den Spot wirklich konsequent aus und erwischten keinen weiteren Hecht, es gab lediglich ein paar größenwahnsinnige Barsche, die unseren Schleuderwaffen folgten. Drei weitere Spotwechsel an ähnliche Stellen mit viel Baitfisch, Kante und auslaufender Bucht brachten die gleichen Resultate. Sch***!!! Wo wir im letzten Jahr bei ähnlichen Bedingungen ohne Ende Hechtfrequenz abgesahnt haben, ging in diesem Jahr nix. So sollte der zweite Tag mit einem Hecht und ein paar mittleren Barschen enden.

Tag 3-Stellungswechsel

Eine kleine Kriesenrunde am Vorabend hatte zur Folge, dass wir uns strategisch neu ausrichten mussten. Back to the roots quasi. Zurück zu klein; mit der Mission-Dickbarsch. Was uns im letzten Jahr gelungen ist, nämlich täglich zwei Fische in den 40ern zu fangen, sollte auch in diesem Jahr möglich sein. Da wir aber die Spots von Tag 1 und 2 auch abgejiggt hatten, musste eine neue Strategie her. Der von uns gewählte See ist sehr insel- und untiefenreich, passt! An den teilweise steil aus dem See ragenden Felsformationen geht es bis auf 20m in die Tiefe. Steilere Kanten also. Hier musste was gehen. Der erste Spot, den wir anfuhren, zeigte auch direkt wieder reichlich Kleinfisch auf dem Echo an.

 spot1 

Mit kleinen Gummifischen um die 8cm versuchten wir nun unser Glück. Einer mit einem No Actionshad und einer mit einem Actionshad. Schon nach kurzer Zeit stellte sich bei uns der Erfolg ein und die ersten kleineren Barsche nahmen die Köder. Dabei war es egal, ob wir Action oder No Action fischten. Ralf war es dann, der den Bann des Urlaubs brach und eine schöne Kirsche im Drill hatte.

 bigone2

Und auch bei mir stieg kurz darauf ein mächtiger Fisch ein. Schnell war klar, dass der Fisch einer der kapitalsten Barsche sein musste, die ich bis dato an der Rute hatte. Nach kurzem aber heftigem Drill konnte Ralf den Fisch für mich landen.

 bigone

Nach diesen beiden Granaten fischten wir noch einige Stunden weiter, konnten aber lediglich Durchschnittsfische verhaften. Am Folgetag waren wir logischerweise so früh auf dem See, wie es nur ging. Das Barschfieber hatte uns gepackt und wir konnten uns einige weitere Spots erarbeiten.

 spot2

Auch hier konnten wir schöne und größere Fische fangen.

 durchschnitt2 

bigone3

In den Abendstunden der Folgetage erlebten wir eine geniale Uferfischerei. Die Barsche drückten in Wassertiefen von 3m die Kleinfische unter die Oberfläche und schmatzten das ein oder andere Rotauge von der Oberfläche. Hier platzierten wir unsere kleinen Gummifische an leichten Jigköpfen und leierten diese einfach und stumpf durchs obere Drittel der Gewässerschicht. Einige schöne Fische blieben auch hierbei hängen.

 beauty

 punk 

Das war ein Urlaub, den wir uns ganz anders vorgestellt hatten, kaum barsch- dafür aber deutlich hechtlastiger. Natürlich fingen wir auch den ein oder anderen Hecht, jedoch waren wir sehr größeneuphorisch, was die Hechte anging. Hier wurden wir tatsächlich ziemlich enttäuscht. Umso mehr wurden wir dafür mit dicken Barschen und einer krassen Frequenz überrascht.

Bis Bald und TL, Marc

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Kategorien : Allgemein, Raubfischangeln, Tipps&Tricks